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Frage

Unsere Katze hat nur eine Niere. Sie hat innert etwa neun Monaten zwei Kilogramm an Gewicht verloren, sie ist aggressiv und empfindlich, sie erbricht trotz Nierendiät alle drei Tage und hat nun einen starken und schlechten Körpergeruch. Ständig versteckt sie sich und ist apathisch. Was sollen wir machen?

Corina Bertschinger, Adliswil ZH

Das sagt Dr. Thomas Schneiter

Dr. Thomas Schneiter ist Spezialtierarzt FVH in der Tierklinik Sonnenhof in Derendingen SO

Bei Nierenproblemen bei Katzen unterscheidet man zwei Formen: Schnell verläuft die akute Niereninsuffizienz. Diese kann junge, mittelalte und alte Katzen betreffen. Anzeichen dieser Erkrankung sind Apathie, Erbrechen, und die Katze produziert keinen Harn mehr. Die Probleme treten plötzlich auf, ohne dass das Tier zuvor krank gewesen ist – darum heisst diese Erkrankung auch so. Gründe für den akuten Verlauf der Nierenerkrankung können eine Infektion oder eine Vergiftung sein. Ein krankes Tier muss sehr schnell behandelt und die Harnproduktion mit Medikamenten angekurbelt werden. Wenn der Allgemeinzustand des Tiers sehr schlecht ist und die Niere noch mehr Zeit zum Erholen braucht, kann auch eine Dialyse (Blutreinigung durch ein Gerät) nötig und sinnvoll sein.

Viel häufiger ist aber die chronische Niereninsuffizienz. Sie verläuft viel langsamer und kommt vor allem bei älteren Katzen vor. Bei ihr urinieren die Tiere sehr viel. Sie können den Harn nicht mehr konzentrieren. Aus diesem Grund müssen sie auch viel trinken. Obwohl sie mehr trinken, trocknen sie aus. Der Appetit ist schlecht und sie verlieren an Gewicht. Mit der Zeit sind die Katzen sehr schwach und schlafen fast nur noch. In der Endphase kommt es dann zum Erbrechen.

Man muss sich das so vorstellen: Die Tiere sind vergiftet. Es ist aber kein Gift, das sie aufgenommen haben, sondern das Problem sind im Körper produzierte Giftstoffe, die nicht über die Niere ausgeschieden werden können. Katzen mit einer chronischen Niereninsuffizienz haben ausser den hohen Nierenwerten oft zu wenig rote Blutkörperchen. Ein notwendiges Hormon, welches die Nieren produzieren, wird von den kranken Nieren nicht mehr in genügender Menge hergestellt. Die Sauerstoff-Transportkapazität des Bluts ist dadurch vermindert. Dies ist der Grund, warum kranke Katzen dauernd müde sind. Drei Viertel der Niere müssen bereits nicht mehr funktionsfähig sein, damit die Werte überhaupt ansteigen. Deshalb muss eine schwache Erhöhung der Nierenwerte ernst genommen werden.

Zur Behandlung der Niereninsuffizienz braucht die Katze zuerst einmal intravenöse Flüssigkeit, weil sie ausgetrocknet ist. Mit Medikamenten kann die Durchblutung der Niere angeregt werden. Eine spezielle Diät verhindert oder verlangsamt das Fortschreiten der Erkrankung. Regelmässige Kontrollen der Blutwerte zeigen auf, ob die Katze geheilt werden kann, oder ob die Erkrankung fortschreitet.

Ich empfehle Ihnen, bei Ihrem Tierarzt die Nierenwerte messen zu lassen. Vermutlich muss sie anschliessend beim Tierarzt bleiben, und die Niere wird intravenös gespült und in ihrer Funktion unterstützt. Einige Tage später müssen die Werte wieder bestimmt werden. Nur so kann Ihnen Ihr Tierarzt sagen, welchen Verlauf die Erkrankung der Niere bei Ihrer Katze nimmt.