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Frage

Wir haben ein etwa einjähriges Meerschweinchen-Weibchen, das seit 2–3 Wochen langsam kahl wird (speziell am Rücken hinten). Es ist jedoch immer noch lebhaft wie zuvor, es frisst und trinkt normal. Was könnte das sein?

Stephanie Schafer, St. Ursen FR

Das sagt Dr. Michael Kull

Dr. Michael Kull ist Spezialtierarzt FVH an der Tierklinik Sonnenhof in Derendingen SO

Dem Haarausfall können verschiedene Ursachen zugrunde liegen. Bei Meerschweinchen sind sicherlich die Ektoparasiten wie Haarlinge oder Milben sowie Hautpilze die häufigsten Ursachen. Weiter sind auch hormonelle Störungen, Bissverletzungen, Fehlernährung (Fettsäure-Mangel durch fehlende Heuzulage) oder auch mal Allergien möglich. Um die Krankheitsursache eingrenzen zu können, ist es immer wichtig, weitere Begleitsymptome zu charakterisieren: Leidet das Tier an Juckreiz? Welche Stellen sind von Haarausfall betroffen? Ist der Haarverlust diffus oder total? Ist die Haut an diesen Stellen gerötet oder hat sie gar Pusteln? Sind Schuppen oder Krusten vorhanden? Wird die haarlose Stelle immer grösser?

Nach einer gründlichen klinischen Untersuchung kann spezifisch auf die Haut geschaut werden. In diesem dermatologischen Untersuch können Proben von Haut, Haaren und – sofern vorhanden – von Schuppen genommen und unter dem Mikroskop beurteilt werden. Bei Verdacht auf eine Pilzinfektion kann eine Pilzkultur angelegt werden. Diese muss für mehrere Tage inkubiert (Lagerung bei speziellen klimatischen Verhältnissen) werden, bis ein Pilzwachstum nachgewiesen oder ausgeschlossen werden kann. Abhängig von der Krankheitsursache stehen verschiedene Medikamente in verschiedenen Anwendungsformen (Spot-on, Salbe, Injektionen, Medikamente ins Maul) zur Verfügung. Ihr Meerschweinchen beginnt am Rücken kahl zu werden. Sollten sich diese Stellen weiter seitlich Richtung Flanken ausdehnen und eventuell sogar der Bauch etwas fülliger werden, so ist eine hormonelle Ursache wahrscheinlich. Diese Problematik betrifft die unkastrierten weiblichen Meerschweinchen. Diese Tiere weisen Zysten auf einem oder beiden Eierstöcken auf. Die Zysten können das Weiblichkeitshormon Östrogen produzieren, was zu symmetrischem Haarausfall in der Flanke, zu Gewichtsverlust und sogar zu einer Schwächung des Immunsystems führen kann. Die Zysten können sehr gross werden, was sich von aussen mit einem dicken Bauch abzeichnet. Sie können dann Darmtätigkeit oder Atmung behindern.

Die Therapie kann verschieden angegangen werden. Grosse Zysten können durch die Bauchwand hindurch punktiert werden. Eine anschliessende Hormonbehandlung kann das weitere Bilden von Zysten verzögern. Jedoch ist nur eine operative Entfernung der Eierstöcke (Kastration) heilend. Bei Meerschweinchen ist allerdings das Risiko, dass eine Operationsnarkose zu Problemen führt, um einiges grösser als bei Hunden oder Katzen. Wenn Sie noch nicht beim Tierarzt waren, so sollten Sie sich in nächster Zeit mit ihm in Verbindung setzen. Er wird dann die nötigen Untersuchungen durchführen und Sie betreffend Behandlung beraten.