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Frage

Im Februar zügelten wir in eine neue Wohnung im Nachbarort. Zunächst liessen wir unsere drei Katzen eine Woche nicht hinaus, dann machten wir die Schleuse auf. Wir hatten den Eindruck, dass es den Katzen hier gefällt. Aber nach drei Wochen bekamen wir ein Telefon von unserer früheren Nachbarin am altem Wohnort: Ein Büsi war zurückgelaufen zu unserem alten Zuhause. Wir haben sie abgeholt. Aber drei Wochen später war sie wieder ausgerissen und dorthin gelaufen. Das wiederholt sich seither alle drei bis vier Wochen. An uns kann es nicht liegen: Immer wenn wir kommen und ihr pfeifen, rennt sie auf uns zu und schnurrt stark. Haben Sie eine Lösung für unser Problem?

Bernd Zürcher, Eiken AG

Das sagt Dr. Brigitte Bütikofer

Dr. Brigitte Bütikofer ist Tierärztin in der Tierklinik Sonnenhof in Derendingen SO. Sie absolviert zurzeit eine Ausbildung in Verhaltensmedizin.

Katzen sind, im Gegensatz zu Hunden, eher territorial veranlagt. Das heisst, die Umgebung ist sehr wichtig für sie, sie orientieren sich stark an dieser. Je kürzer die Entfernung zum alten Wohnort, desto eher wandern sie dorthin zurück. Idealerweise behält man die Büsi nach dem Umzug bis sechs Wochen in der neuen Wohnung. Aber nicht alle Katzen sind gleichermassen territorial orientiert. Deshalb kann es sein, dass nicht alle gleich reagieren. Vielleicht verträgt sich Ihr Büsi nicht mit einer anderen Katze im neuen Quartier. Oder sie vermisst einfach die alte Umgebung. Wenn Ihre Katze so viel unterwegs ist, ist es wichtig, dass sie ein Halsband mit Ihrer Adresse trägt, noch besser: einen Mikrochip. Bei ihren langen Spaziergängen ist sie vielen Gefahren ausgesetzt. Umso wichtiger ist es, dass man Sie als Besitzer schnell ausfindig machen kann. Falls noch nicht passiert, wäre eine Möglichkeit, Ihre Katze zu kastrieren. Denn kastrierte Büsi haben meist ein viel kleineres Revier und wandern weniger weit.

Die neue Wohnung sollte beim Einzug «katzengerecht» eingerichtet sein: Man kann Schlafdecken, Spielsachen, Näpfe und Körbli aus der alten Wohnung mitnehmen, auch wenn man später neue kaufen will. So kommt der Geruch der alten Wohnung mit – die Katzen finden etwas Bekanntes vor. Sie sollten erst in die neue Wohnung genommen werden, wenn der Umzug wirklich abgeschlossen ist, das heisst, wenn nicht mehr gehämmert oder gebohrt wird. Versuchen Sie, die neue Wohnung für die Büsi so angenehm wie möglich einzurichten. Eine weitere Möglichkeit ist ein Pheromonstecker, der Ihren Katzen ein «heimeliges» Gefühl vermittelt.

Wichtig ist, dass Ihre Katze bei der Rückkehr an den ehemaligen Wohnort dort nicht gestreichelt, gefüttert oder gar in eine Wohnung mitgenommen wird. Ihre ehemaligen Nachbarn sollen Sie informieren, die Katze aber ignorieren. Beim Abholen sprechen Sie nicht zu viel mit Ihrer Katze, schimpfen oder loben Sie nicht. Versuchen Sie, das Büsi einige Wochen im Haus zu behalten, dann am ersten Tag nur kurz und hungrig nach draussen lassen (am besten bei Regen). Nach etwa 30 Minuten rufen Sie sie wieder und geben ihr ihr Lieblingsfutter. Dann darf sie an dem Tag nicht mehr hinaus. Wenn sie trotzdem an den alten Ort zurückkehrt, wiederholen Sie das Ganze. Es braucht viel Geduld! Falls sie trotz allen Versuchen weiter an den alten Wohnort zurückkehrt, fragen Sie einen ehemaligen Nachbarn, ob er Ihre Katze aufnimmt.