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Leinentraining – ein «Gstältli» fürs Büsi – Teil 1

Katzen sind keine Lauftiere, die unbedingt reichlich Bewegung brauchen. Büsi, die aufgrund einer ungünstigen Wohnsituation nicht hinausdürfen, können aber durch das erweiterte Erkundungsverhalten von kontrollierten Spaziergängen profitieren. Das gilt auch für Freigängerkatzen, zumindest dann, wenn ihnen der unkontrollierte Freigang aus verschiedenen
Gründen zeitweise verwehrt wird.

Damit der Leinenspaziergang mit dem Büsi nicht zum Albtraum wird, sondern tatsächlich eine Bereicherung darstellt, braucht es eine geduldige Heranführung an die verschiedenen Aspekte. Klickertraining ist ein sehr hilfreiches Werkzeug, um die Katzen optimal auf diese Möglichkeit vorzubereiten.

Die erste Herausforderung ist bereits das Anziehen und Tragen eines Geschirrs am Körper. Einige Samtpfoten sind ganz unkompliziert; Sie lassen alles mit sich anstellen und kommen mit diesem Teil um ihren Körper ganz schnell und einfach zurecht. Viele Artgenossen sind aber deutlich skeptischer. Hier beginnt also bei den meisten Katzen schon das Training. Nur wenn die Tiere ohne Vorbehalte und mit positiver Erwartungshaltung an die neue Situation herangeführt werden, können Leinenspaziergänge zu einer willkommenen Abwechslung beitragen.

Erstes Teilziel des Leinentrainings: Kopf durchs Loch stecken

Einige Katzengeschirre kann man direkt um den Hals und die Brust herumlegen und verschliessen. Bei diesen entfällt diese Übung, meist sitzen sie jedoch nicht optimal. Für einen Trainingseinstieg können solche handelsüblichen Katzengeschirre ausreichen. Sollten Sie Leinenspaziergänge ernsthaft in Erwägung ziehen, ist es jedoch sinnvoll, auf Tragekomfort zu achten.

Vorbereitung:

  • Belohnungsmöglichkeiten vorbereiten
    ➝ Zu Beginn circa 10 bis maximal 15 Leckerli pro Trainingseinheit
    ➝ Jackpot: Besonders grosse, besonders gute oder 5 bis 6 Zusatzleckerchen, die für besondere Leistungen auf einen Schlag verschenkt werden können. Alternativ besonders beliebte Belohnungsmöglichkeiten wie Angelspiele oder Knuddeleinheiten
    ➝ Zur Erinnerung: «K+B» bedeutet Klick und Belohnung
  • Optional: Stab für Nasenstups
  • Borten, Gurtbänder, schmale Gürtel und alles was sich sonst noch dazu eignet, zu einem Ring zusammengehalten zu werden. Achten Sie auf mögliche Verletzungsgefahr.
  • Ein Katzengeschirr kann, muss aber nicht für diese Einstiegsübung verwendet werden. Prüfen Sie, wie Ihr Büsi auf den neuen Gegenstand reagiert.
  • Wird der Gegenstand neugierig beschnuppert?
  • Lässt Ihre Katze es zu, mit dem Gegenstand in der Hand gestreichelt zu werden?
  • Wie reagiert Ihr Büsi, wenn Sie diesen kurz auf ihrem Rücken ruhen lassen?

Jedes Signal von Unwohlsein Ihrer Katze sollten Sie sofort beachten und nicht weiter versuchen sie zu belästigen! Widerstehen Sie der Versuchung, das Katzengeschirr einfach überzustreifen, wenn Ihr Stubentiger sich nicht vollständig entspannt zeigt! Auch beim anschliessenden Training ist unbedingt zu beachten, dass das Geschirr dem Büsi niemals über den Kopf gezogen wird, solange es nicht selber eine deutliche Bewegung durch das Einstiegsloch anbietet. Die meisten Abneigungen gegen Katzengeschirre entstehen durch das zu schnelle Überziehen, wenn die Tiere noch nicht bereit sind. Halten Sie Ihre Hand also ruhig, während Ihre Katze aktiv ausprobieren darf.

Wenn Ihr Büsi sich schon bei der Annäherung des Gegenstands deutlich unwohl fühlt und eher das Weite sucht, sollten Sie es langsam angehen. Klickern Sie Ihre Katze erst an den liegenden Gegenstand heran und fördern Sie ihre Neugier. Erst wenn die Skepsis verflogen ist, nehmen Sie den Gegenstand aktiv in die Hand, um mit der folgenden Übung zu beginnen.

Los geht’s!

  • Formen Sie das gewählte Material zu einem Ring. Er sollte so weit sein, dass Ihr Büsi ganz einfach den Kopf hindurchstecken kann, ohne die Ohren anlegen zu müssen.
  • Halten Sie den Ring auf Höhe der Katzennase mit einem Abstand von mindestens einer Handbreit zu Ihrem Trainingspartner.
  • Belohnen Sie zu Beginn jede Annäherung an den Gegenstand, selektieren Sie aber möglichst rasch jede Bewegung mit dem Köpfchen heraus und ignorieren Sie möglichst den Einsatz der Pfoten.
  • Geben Sie die Leckerli immer durch den Ring hindurch, ohne Ihre Katze dabei zu locken.

Variante mit Stab zum Nasenstups:

Sind Sie geübt im Klickern und kennt Ihr Büsi den Nasenstups bereits, können Sie Ihrer Katze den Stab zum Anstupsen durch den Ring hindurch entgegenhalten.

  • Belohnen Sie ein-, zweimal nur das Anstupsen des Stabs, bevor Sie die Anforderung erhöhen und Ihr Büsi Stück für Stück zum und durch das Loch führen.
  • Wenn Ihre Katze beginnt, den Kopf durch die Schlaufe zu stecken: K+B, egal ob sie den Stab dabei schon berührt oder nicht. Wiederholen Sie diesen Zwischenschritt und halten Sie den Ring dabei völlig ruhig.
  • Erst wenn die Berührung der Schlaufe am Katzenkopf einwandfrei akzeptiert wird und keine Skepsis mehr erkennbar ist, halten Sie den Stab etwas vom Loch entfernt, um die Katzennase ganz durch das Loch zu locken.
  • Spätestens dann gibt es einen Jackpot, während Sie den Ring weiterhin halten und Ihr Büsi sich jederzeit wieder daraus befreien kann.

Variante ohne Stab:

Wenn Sie ohne Stab arbeiten wollen, können Sie Ihre Katze auch sanft mit einem Leckerchen vor der Nase durch den Ring locken.

  • Erwarten Sie aber nicht, dass sie dem Leckerchen einfach vorbehaltlos folgt!
  • Sobald der Kopf dem Ring näher kommt oder sogar ein Stück in der Schlaufe sitzt: K+B. Kommen Sie Ihrem Büsi mit dem Leckerli entgegen.
  • Nutzen Sie das Leckerli in der Hand wie einen Magneten, mit dem Sie die Katzennase Stück für Stück durch das Loch ziehen. Die Belohnung der Etappen verstärkt den «Magnetismus», sodass Ihr Büsi immer zuversichtlicher seinen Kopf dem Ring entgegen und am Ende in den Ring stecken wird.
  • Ist der Katzenkopf ganz durch den Ring geschlüpft, halten Sie den Ring weiterhin fest und geben Ihrer Katze einen Jackpot. Sie darf sich nach den ersten Versuchen jederzeit wieder aus der Schlaufe befreien!

Zweites Teilziel: Berührung am Körper zulassen

Ihr Büsi steckt den Kopf zuverlässig in die Schlaufe des Geschirrs oder durch anderes Trainingsmaterial, findet es aber suspekt, wenn dies dann auf ihrem Körper zu liegen kommt. Das ist nicht ungewöhnlich und kann durch sorgfältiges Training ebenfalls aufgefangen werden.

Vorbereitung:

• Belohnungsmöglichkeiten vorbereiten
• Borten, Gurtbänder, schmale Gürtel, weiche Verbände
• Ein Katzengeschirr kann, muss aber nicht für diese Einstiegsübung verwendet werden.
• Optional: Stab für Nasenstups

Los geht’s!

Laden Sie Ihre Katze zu einer Kuschelaktion bei Ihnen ein und halten Sie das Trainingsmaterial parat. Ihre Katze wird die Scheu vor diesem bereits verloren haben, wenn Sie das «Kopfhindurchstecken» zuvor trainierten. Versuchen Sie nun das Material während dem Kuscheln und Streicheln einfach mit hinzuzunehmen und sie damit zu streicheln. Nach einer Weile lassen Sie das Material ruhig auf Ihrer Katze liegen und beobachten ihre Reaktion.

Die Berührung des Materials am Körper finden viele Katzen suspekt. Mit einfachem Verbandsmaterial kann dieses Gefühl provoziert und mit positiven Aktionen verknüpft werden.
  • K+B gibt es für jedes «Entdecken» des Materials auf dem Körper und für jede Bewegung, die Ihre Katze macht, während das Material auf ihr liegt, ohne herunterzufallen.
    ➝ Die ungewohnte Berührung des Katzenkörpers, vor allem wenn Bewegung hinzukommt, irritiert viele Büsi.
    ➝ Mit der Belohnung in diesem Moment der Irritation wird die beginnende Skepsis direkt in Vorfreude umgelenkt und der Wohlfühlfaktor bleibt erhalten.
  • Versuchen Sie Ihre Katze nun dazu zu animieren, mit dem Gegenstand am Körper einige Schritte zu laufen. Nutzen Sie hierfür ein Leckerli, das Sie in einigem Abstand präsentieren, oder den Stab zum Nasenstups.

➝ K+B gibt es immer dann, wenn Ihre Katze dabei irritiert das Material auf sich wahrnimmt.
➝ Das erkennen Sie bereits an einem Ohr, das in Richtung des Materials zuckt oder an einem misstrauischen Blick nach hinten, während sie vorwärtsläuft.
➝ Klappt das gut, wird nur noch das zügige Weiterlaufen belohnt. Die skeptischen Blicke können Stück für Stück ignoriert werden und sollten dann deutlich abnehmen.

  • Bei einer erneuten Lektion wickeln Sie Ihre Katze sanft in das ausgesuchte Material ein.
    ➝ Legen Sie beispielsweise einen Verband wie ein Katzengeschirr um den Körper des Büsi und provozieren Sie damit die Berührung nicht nur am Rücken, sondern auch an der Körperseite und der Bauchregion.
    ➝ Wiederholen Sie die Lektion von zuvor und arbeiten Sie jede Bewegung Ihrer Katze aus, die sie trotz der ungewohnten Berührung umsetzen kann.
    ➝ Am Ende kann Ihr Büsi mit diesem neuen «Look» sogar einem oder zwei Leckerli nachspringen oder sich in einem kurzen Spiel vergessen. Damit hätten Sie das Optimum erreicht.

Endziel: Geschirr anziehen

Haben Sie beide Teilziele ausgearbeitet, geht es ans Zusammensetzen. Lassen Sie Ihr Büsi den Kopf durch die Geschirrschlaufe stecken und legen Sie nun den Rückensteg auf Ihrer Katze ab. Noch ohne das Katzengeschirr zu schliessen, können Sie Ihr Büsi schon für das Akzeptieren der Berührung belohnen und es einige Schritte mit dem baumelnden Geschirr herumlaufen lassen. Anschliessend wird das Geschirr geschlossen und auf die Passform hin untersucht. Probieren Sie in der nächsten Zeit alle möglichen Spiele mit Ihrer Katze aus, während sie das Geschirr trägt. Das Anziehen des Geschirrs wird so zur Ankündigung toller Aktivitäten und bereitet auf das Abenteuer Leinenspaziergang optimal vor. Zusätzlich können Sie so prüfen, ob ein freier Bewegungsablauf mit dem Geschirr möglich ist und ob es noch Optimierungspotenzial in der Passform gibt. Nehmen Sie sich Zeit, dies genau zu prüfen, bevor im nächsten Teil des Artikels der kontrollierte Freigang vorgestellt wird.

Quellen:

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